Hartmut von Altrock - Kleinfigurige Sachverhalte

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht

Die Bilder, mit denen wir dieses Portal illustriert haben, stammen aus der Aquatintaserie N° 92  "Kleinfigurige Sachverhalte" des Künstlers Hartmut von Altrock (1931 - 2014). In acht Bildern verarbeitet Altrock einen Gerichtsprozess, in dem es um Kunst und Kunstfreiheit, Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht ging. 

 

Der Sachverhalt ist schnell beschrieben:

 

Der Künstler lernte auf einem Ball eine junge Dame kennen und wurde ins elterliche Haus eingeladen, um ein Portrait von ihr anzufertigen. Das Ergebnis aber mißfiel den Auftraggebern: Charlotte sei nicht wiederzukennen, sie sei schließlich ein fröhliches Kind. Also weigerten sich die Auftraggeber, das Bild abzunehmen und das Künstlerhonorar zu zahlen. Der Künstler fühlte sich in seiner Ehre verletzt und um seinen Lohn gebracht.

 

Einige Zeit später hatte der Künstler eine Einzelausstellung in der Bonner Kunsthalle, zu deren Eröffnung auch Charlotte, mittlerweile hochmögend verlobt, erschien. Charlottes Verlobter entdeckte gleich zu Beginn der Ausstellung einen weiblichen Akt. "Charlotte, das bist ja Du!" rief er, und das Schicksal nahm seinen Lauf: Charlotte hatte selbstverständlich niemals nackt Modell gestanden, der Künstler hatte unter Verwendung ihres Portraits einen sitzenden, weiblichen Akt gemalt. Das mißfiel der Dargestellten, was durchaus nachvollziehbar erscheint,  und die Familie verlangte Herausgabe des Bildes bzw. dessen Vernichtung.

 

Es folgte eine juristische Auseinandersetzung über mehrere Jahre, die der Künstler in einem Bilderzyklus verarbeitete: Altrock wurde sowohl strafrechtlich verfolgt (siehe "Verfolgung") als auch zivilrechtlich verklagt (siehe "Klage"), es folgte ein Gerichtstermin (siehe "Das hohe Gericht tagt") und ein Beweistermin (siehe "Beweisaufnahme"),  Der Fall erregte seinerzeit auch mediales Interesse, durchaus zum Gefallen des Künstlers. Letztlich blieb das Kunstwerk erhalten. Ermutigt von Günter Grass, der die ganze Angelegenheit als "Ein deutsche Märchen" bezeichnete, verarbeitete Altrock das Erlebte in seinem Aquatinta-Zyklus "Kleinfigurige Sachverhalte".

Wir danken Katia von Altrock herzlich für die Genehmigung, die Bilder der "Kleinfigurigen Sachverhalte" verwenden zu dürfen.

Sowohl einzelne Blätter als auch die komplette Serie des Bilderzyklus N° 92, bestehend aus acht Aquatinten (allerdings in nicht kolorierter Fassung), gestochen auf  34 x 45iger Platte, handgeschöpftes Bütten 220 g : 54 x 66 cm, Auflage : 20, sind noch erhältlich. Näheres hinzu erfahren Sie bei der Witwe des Künstlers, Katia von Altrock, zu kontaktieren über www.hartmut-von-altrock.eu. Alternativ können Sie sich bei uns melden. Ihre Ansprechpartnerin ist Astrid von Schoenebeck. Wir stellen dann, wenn Sie es wünschen den Kontakt mit Frau von Altrock her.